
Zum Einstieg stellten wir die Resultate der repräsentativen Bevölkerungsumfrage vor, die Pro Futuris, der Think + Do Tank der SGG, gemeinsam mit der Universität Bern zur Handlungsfähigkeit der Schweiz durchgeführt hat. Die Umfrage zeigt eine breite Sorge um die Krisenfähigkeit der Schweizer Politik: Weniger als ein Drittel der Befragten findet, dass die Schweiz gut aufgestellt ist, um rasch auf globale Krisen zu reagieren. Gleichzeitig wünscht sich eine Mehrheit engere Kooperationen mit anderen kleinen und mittleren Demokratien sowie eine stärkere wirtschaftspolitische Rolle des Staates, auch wenn dies höhere Ausgaben bedeutet.
Diese Zahlen bildeten die Grundlage für zwei Gesprächsrunden mit den Anwesenden.
In der ersten Runde ging es darum, welche Resultate der Umfrage überraschen oder zu denken geben. Mehrere Wortmeldungen kreisten um gewisse Widersprüche, die die Umfrage zutage förderte. Ein Beispiel: Viele Befragte vertrauen dem Staat, zweifeln aber gleichzeitig an dessen Fähigkeit, rasch auf Krisen zu reagieren. Ein anderes: Sie wünschen sich wirtschaftliche Freiheit für Unternehmen und gleichzeitig mehr staatliche Verantwortung für den Wirtschaftsstandort. Auch die Kluft zwischen den Umfrageantworten und dem, was in politischen Debatten und Wahlen tatsächlich verhandelt wird, wurde mehrfach angesprochen.
In der zweiten Runde ging es um die Frage, wo die Handlungsfähigkeit der Schweiz besonders herausgefordert ist. Ein Thema war der demografische Wandel und seine Folgen für die politische Vertretung, insbesondere für die Möglichkeiten junger Menschen, sich wirksam einzubringen. Ein weiteres war die Qualität der politischen Debatte selbst: mehrere Teilnehmende sahen die Fähigkeit zur Kompromissbildung schwinden und äusserten Zweifel, ob Parteien und Verbände die Bevölkerung heute noch ausreichend repräsentieren. Auch die Verlagerung öffentlicher Debatten in digitale Räume und deren Folgen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt kamen zur Sprache.
Der Abend baute auf den sechs Leitfragen auf, die aus dem Rütli-Dialog vom 12. September hervorgegangen sind, unter anderem zur Kooperation zwischen kleinen und grossen Demokratien, zur wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz und zur Teilhabe unterrepräsentierter Gruppen.
Fotos: Dimitri Brooks



